Autor: Rainer Scholz und Martin H. Petrich

Der Zauber von Myanmar

Das Land zieht Besucher in seinen Bann, sei es beim Besuch der Shwedagon-Pagode oder einer Tour durch die Tempelwelt von Bagan.

"Das Land umfängt seine Freunde mit einer Art von Zauber, den sie nicht durchbrechen können, selbst wenn sie es wollten", schrieb der amerikanische Historiker John F. Cady einst über Myanmar. Und in der Tat zieht das Land seine Gäste auf ganz besondere Weise in seinen Bann, sei es beim Besuch der weltberühmten Shwedagon-Pagode oder der alten Rakhine-Metropole Mrauk U, bei einer Fahrt in der Kutsche durch die Tempelwelt von Bagan oder bei einer Bootsfahrt auf dem Inle-See.

Was vielerorts in Asien verschwunden ist, gehört hier noch zum ganz normalen Alltagsbild: die Ochsenkarren am Straßenrand und die Pferdedroschken in den Provinzstädten, Cheroot rauchende Frauen und Longyi tragende Männer.

Praktisch jeder Tourist landet in Yangon, der multikulturellen Fünf-Millionen-Metropole mit viel kolonialem Flair und attraktiven Sakralbauten. Die Stadt ist ein guter Ausgangspunkt für mehrtägige Ausflüge, etwa gen Osten nach Bago, zum Kyaik-htiyo (Goldenen Felsen) und weiter nach Mawlam-yine. Der schmale Süden zieht sich zwischen der Andamanensee und dem Tanintharyi-Gebirge entlang der Grenze zu Thailand. Dort liegen die wichtigen Hafenstädte Dawei, Myeik und Kawthoung sowie der große Myeik-Archipel mit über 800 Inseln.

In Zentralbirma liegen die bedeutendsten kulturellen Zentren des Landes, allen voran das wunderbare Bagan, das mit seinen 2000 Tempelruinen zum Höhepunkt einer jeden Birma-Reise zählt, und die Millionenmetropole Mandalay. Einige sympathische, wenn auch wenig spektakuläre Städte reihen sich entlang des Ayeyarwady: Pakokku, Magwe und Pyay.

Shan- und Kachin-Staat bilden mit ihren vielen Minderheiten und isolierten Bergregionen eine Welt für sich. Derzeit sind nur Teilgebiete für Touristen bereisbar. Zu den landschaftlichen Highlights zählt im südlichen Teil des Shan-Staates fraglos der Inle-See mit seinen Schwimmenden Gärten, Einbeinruderern und Märkten. Weitere interessante Orte sind der koloniale Luftkurort Kalaw, das reizvoll gelegene Pindaya und die lebendige Handelsstadt Taunggyi.

Kyaing Tong im tiefen Osten ist Ausgangspunkt für Tageswanderungen zu Dörfern ethnischer Minderheiten. Von Mandalay empfiehlt sich eine Bahnfahrt über die einstige britische Sommerresidenz Pyin U Lwin und die alte Fürstenstadt Hsipaw nach Lashio kurz vor der chinesischen Grenze. Der Kachin-Staat im hohen Norden gehört den Entdeckern: Während Myitkyina zum Manao-Fest im Januar Zigtausende Besucher anlockt, eignet sich das nur über den Luftweg erreichbare Putao als Ausgangspunkt für Trekkingtouren in die südlichen Ausläufer des Himalaya.

Das riesige Ayeyarwady-Delta, als Reiskammer Myanmars für die Landwirtschaft enorm wichtig, wird von den meisten Touristen links liegen gelassen. Ausnahmen sind die Deltastadt Pathein und die Strände von Chaungtha und Ngwe Saung am Golf von Bengalen. Entlang der Westküste zieht sich die Provinz Rakhine mit einer ganz eigenen Vergangenheit. Dort lockt mit Ngapali nicht nur einer der schönsten Strände des Landes, sondern weiter nördlich das alte politische Herz, Mrauk U, mit zahlreichen Tempelruinen. Noch etwas weiter erstreckt sich entlang der indischen Grenze der größtenteils für Touristen verschlossene Chin-Staat.

Do, 22. März 2012