05.08.2008 10:40Pariser Strandleben
Viele Wohnungen bleiben abends dunkel und die Rollläden vor auffallend vielen Geschäften tagsüber geschlossen. Parken ist jetzt kostenlos und die Metro fährt weniger häufig. Die meisten Pariser suchen ihr Ferienglück am Meer, an den kilometerlangen Stränden des Atlantiks von der Bretagne bis hinunter nach Aquitanien oder am Mittelmeer.
Und was machen jene, die sich entschlossen haben, dieses Jahr im August in Paris zu bleiben? Wenn an einem Sonntag das Thermometer endlich auf hochsommerliche 32 Grad klettert und Lust auf Strand weckt?
Dann haben die Großstädter zumindest vier Sommerwochen lang gleich drei eigene Strände! Also auf mit der ultramodernen, fahrerlosen und computergesteuerten Metrolinie 14 in den Osten der Stadt. Bei diesen Temperaturen ist der „Paris plage" am Seineufer bei den Türmen der großen Nationalbibliothek ganz schön überfüllt, doch mit etwas Glück lassen sich ein oder zwei der wenigen unbesetzten, blau-weiß gestreiften Liegestühle ergattern.
Sand spürt man zwar leider nicht unter seinen Füßen, aber der Blick entschädigt. Elegant schwingt sich die neue Fußgängerbrücke Passarelle Simone de Beauvoir hinüber zur anderen Seineseite, und es amüsiert zu beobachten, was die Badegäste auf der Sonnenterrasse des „schwimmenden Schwimmbads" Josephine Baker treiben, das wie ein gläsernes Schiff am Ufer der Seine fest vertäut ist. Kaum einer zieht seine Bahnen im recht kleinen Schwimmbecken, dafür drängeln sie sich auf den Holzplanken der Terrasse, um dort den besten Platz zu erobern. Plötzlich ertönt aus versteckten Lautsprechern eine freundliche Stimme. Wer Strandlektüre brauche, möge doch in die winzige Bibliothek des „Paris plage" kommen, einen bunten Container, vollgestopft mit Büchern.
Lesen, schwimmen oder in der Sonne „braten" – hier lässt es sich wirklich gut relaxen. Doch was spricht gegen einen Bummel hinüber auf die „Rive droite"? An den uralten, Schatten spendenden Platanen des Parc de Bercy vorbei erreicht man nach wenigen Minuten die alten Pariser Weindepots, den „Cour Saint Emilon". Den heißen Mittagstunden entkommt man höchst angenehm im kühlen Gemäuer eines ehemaligen Weinlagers bei gut gekühltem Rosé von der Loire. Danach vielleicht noch ein Besuch bei "Paris plage", zum Boulespielen am ältesten Pariser Strand beiderseits des Rathauses direkt in der Innenstadt – ein perfekter Augustsonntag in Paris.
Links:
- Weitere Informationen zu Paris
- Paris im Netz
Björn Stüben
Seit Jahren lebt der Autor mit seiner Familie im Großraum Paris. Er promovierte in Kunstgeschichte und leitet heute Studienreisen in ganz Frankreich ebenso wie in seiner Wahlheimatstadt. So war Björn Stüben genau der richtige Verfasser für die city box Paris. Über Neuigkeiten aus dem Kulturleben in der Seinemetropole berichtet er vor allem in Rundfunkbeiträgen und Artikeln.
