01.12.2008 12:14Design City Toronto: Neue Formen für die Zukunft
“Ich wollte etwas schaffen, das Toronto widerspiegelt und die Nachbarschaft aufnimmt”, erklärte Frank Gehry bei der Eröffnung. Tatsächlich begegnet die neue AGO der viktorianischen Nachbarschaft mit Respekt. Die Nordseite der einst bunkerähnlichen AGO schmückt nun ein über 180 m langer, nach außen leicht gewölbter Kokon aus Holz, Glas und Stahl. Die Südseite überragt ein blau schimmernder, den Himmel reflektierender Ausstellungsturm. Das alte Problem der AGO, die verschachtelten Ausstellungsräume, löste Gehry mit einem neuen Layout, bei dem alle Räume und Ebenen ineinander fließen.
Die AGO ist der - vorläufig - letzte einer Vielzahl architektonischer Coups, die Toronto während der letzten Jahre ein neues Antlitz gaben. 2003 begann die heute als Design Renaissance bezeichnete Entwicklung mit dem Sharp Centre for Design von Will Alsop, einem schwarzweißen, “tabletop” genannten Kasten auf hohen, farbstiftähnlichen Stelzen. Aufsehen erregte auch die kristallförmige Erweiterung aus Glas und Aluminium, die Daniel Libeskind auf das bis dahin eher abweisende Royal Ontario Museum (ROM) stellte. Seitdem setzen andere die Design Renaissance fort. Die Torontoer Firma Diamond & Schmitt kreierte das Four Seasons Centre for the Performing Arts, das außen höflich-reservierte, innen aber mit zeitlosem Interieur aus Glas und Holz ausgestattete neue Opernhaus. Kuwabara Payne McKenna & Blumberg (KPMB), Toronto´s führendes Architektenbüro, zeichnet gleich für ein halbes Dutzend neuer, neomodernistisch inspirierter Kreationen verantwortlich: darunter die nagelneue, Transparenz betonende National
Ballet School, das TELUS Centre for Performance and Learning und die genial einfachen, die Nachbarn einbindenden Umbauten am Gardiner Museum of Ceramic Art und am Young Centre for Performing Arts. Weitere Gebäude stehen vor der Fertigstellung, allen voran das von KPMB entworfene Festival Centre, der zukünftige Sitz des Toronto Film Festival. Hinzu kommen zahllose, coole Interieurs in Restaurants, Bars und Hotel-Lobbies.
Renaissance, hat Daniel Libeskind einmal gesagt, sei die Verbindung dessen, was eine Stadt einmal war, mit dem, was diese Stadt sein könne. Toronto bescheinigt er schon jetzt eine neue Identität. Und nennt die Metropole am Lake Ontario “Toronto the Great”.
Links
Toronto - Homepage der Stadt
Art Gallery of Ontario - Homepage des Museums
kunstwissen.de - Mehr Informationen über Frank Gehry
Ole Helmhausen
Der Journalist und Autor lebt seit 15 Jahren in Montréal und hat sich auf Reportagen und Reisereportagen aus Nordamerika spezialisiert. Über die Design Renaissance in Toronto berichtet er in deutschen Tageszeitungen und führenden Reisemagazinen.
(www.olehelmhausen.com)
