10.07.2009 14:51
Malta im Jazzfieber

Magische Mauern und Felsen, mitreißende Rhythmen, geerdet, kraftvoll, Stimmen der Seele … wenn Vallettas Grand Harbour zur Bühne internationaler Jazzgrößen wird, gewinnen die alten Festungsanlagen eine neue Dimension.

Hingerissen von der Atmosphäre sagte Chic Corea 1990: "Noch nie habe ich in einer Postkartenidylle gespielt!" Gibt es ein schöneres Kompliment für einen Veranstaltungsort?

Ein Winzling im Mittelmeer, hat Malta dennoch die Eroberer der Welt angezogen. Römer, Sarazenen und auch Napoleon ankerten in Vallettas Grand Harbour. Längst jedoch hat die Kultur von den Bastionen Besitz ergriffen, flirrt die Szene in den warmen Sommernächten am Hafen, vor allem wenn internationale Jazzgrößen wie Kurt Rosenwinkel beim Jazzfestival im Juli auftreten.

Seit knapp 20 Jahren ist das dreitägige Event ein fester Termin für die Fans des Jazz. So bunt wie in Ritterzeiten ist dann das Sprachengewirr in Vallettas Gassen, wo in den letzten fünf Jahren die Bar- und Restaurantszene kräftig Aufschwung genommen hat. Alte Gewölbe bergen nicht mehr nur museale Sammlungen wie etwa in der Sacra Infermeria, dem zu seiner Bauzeit im 16. Jahrhundert hochmodernen Hospital der Ordensritter. Hippe Diskotheken und Bars haben in den Hallen der architektonischen Unterwelt Einzug gehalten, und wenn es zu heiß wird, steht man eben mit dem Cocktail, dem Glas Bier oder Wein vor der – nicht selten tagsüber recht unauffälligen – Tür. Apropos Wein – Winebars sind in und keineswegs mit einer Weinstube zu vergleichen. Die Betonung liegt eher auf Bar mit Betrieb bis in den frühen Morgen – und dem Vorteil, meist auch ein paar Snacks auf der Karte zu finden.

Die Bridge Bar oberhalb der Victoria Gate am Grand Harbour ist altbekannter Treff der Jazzkenner. Nur wenige Meter unterhalb, direkt am Wasser, steht nun wieder die Festivalbühne bei Ta' Liesse. Die Szenerie ist einzigartig, Valletta auf der einen, Grand Harbour und Vittoriosa auf der anderen Seite. Bei der Wahl der Interpreten haben die Veranstalter immer ein glückliches Händchen bewiesen, auf Vielfalt gesetzt und damit ein breites Publikum erreicht. Das Festival ist "fun", populär und immer Anlass für einen Sprung auf die Insel, die meist – und mit gutem Grund – mit Megalithbauten und den Zeugnissen des Ritterordens assoziiert wird.

Weiterführende Information:

www.maltajazzfestival.org
www.visitmalta.com
www.heritagemalta.org

Trudie TroxTrudie Trox

Die freie Journalistin und Übersetzerin lebt bei München und auf Jersey. Seit ihrer Studienzeit reist sie begeistert durch die Länder des Mittelmeerraums und entdeckte dabei auch Malta.

 

 

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