31.08.2009 10:52
Kult(ur) im „Pott“: die RuhrTriennale

Außergewöhnliche Inszenierungen, spektakuläre Spielstätten, ein hochkarätiges Programm und namhafte Intendanten: Die RuhrTriennale ist längst mehr als ein Kulturfestival an der Ruhr. Das 2002 ins Leben gerufene, spartenübergreifende „Fest der Künste“ zählt zu den wichtigsten Festivals in Europa.

Gespielt wird in den Denkmälern der Industriekultur: in der ehemaligen Gebläsehalle und Kraftzentrale des Thyssen-Werks in Duisburg-Meiderich, in der Zeche Zollverein in Essen, in der Bochumer Jahrhunderthalle und in der Maschinenhalle der Zeche Zweckel in Gladbeck.

Dort, wo einst rund um die Uhr Eisen floss, wo Kumpel unter Tage fuhren oder ohrenbetäubend laute Maschinen den Takt angaben, verschmelzen heute Musik, Sprechtheater, Oper und Bildende Kunst zu neuen künstlerischen Ausdrucksformen. Ob bei Uraufführungen oder Neuinszenierungen, ob beim modernen Tanztheater, bei Lesungen oder Konzerten: Die enge Verknüpfung von Kunst und Industriekultur ist ein wesentlicher Bestandteil jeder Inszenierung. Dabei werden ehemalige Industriehallen zu atemberaubenden Kathedralen der Kunst, ein ebenso ungewöhnliches wie faszinierendes Konzept. Nach einer Vorstellung in der einstigen Gebläsehalle im Landschaftspark Duisburg-Nord, um nur ein Beispiel zu nennen, verweilt man gern im „Hauptschalthaus“ mit seinem lauschigen Biergarten vis-à-vis des Hochofens, der nach Einbruch der Dunkelheit stimmungsvoll illuminiert wird.
Ein ausgewähltes Thema bestimmt stets den Drei-Jahres-Zyklus der RuhrTriennale mit ihren rund 300 Veranstaltungen. Nach dem Gründer Gerard Mortier und Jürgen Flimm wird die dritte RuhrTriennale (2009–2011) nun unter der Leitung von Willy Decker stehen und den Titel „Urmomente“ tragen. Dabei geht es um die Entstehung von Spiritualität und Kreativität. Die verlassenen, stillgelegten Industriegiganten des Ruhrgebiets werden dabei zum Sinnbild – als stumme Zeugen einer Epoche, die den verbissenen Vorstoß in die Tiefe wagte. So wie hier einst nach Kohle gegraben wurde, geht es bei der RuhrTriennale 2009 (15. August bis 11. Oktober) ebenfalls um den Vorstoß in die Tiefe, um die Suche nach „einem geistigen Urstoff menschlicher Existenz“, nach dem „Urmoment des Religiösen“. „Aufbruch“ (2009), „Wanderung“ (2010), „Ankunft“ (2011) – lauten die Untertitel des Veranstaltungsreigens, dessen Fokus 2009 auf dem Judentum liegt. Verpassen sollten Sie dieses Festival nicht!


Weitere Informationen:
www.ruhrtriennale.de
www.ruhr-tourismus.de

Gudrun Raether-Klünker
Die freie Journalistin ist am Rande des Ruhrgebiets aufgewachsen. Fasziniert vom Strukturwandel und vom Potenzial der Region, besucht sie bis heute regelmäßig den „Ruhrpott“.

 

 

 

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