16.11.2009 11:58
Vorweihnachtszeit in Sachsen

Das weiße Mehl und die Butter sind schon in dem großen Bottich. Nun schüttet der Bäckermeister noch das klein gewürfelte Zitronat und Orangeat hinein. Die in Rum getränkten Rosinen duften schon von weitem. Jetzt werden die restlichen Zutaten und Gewürze dazugegeben, und schon beginnt die Knetmaschine den Teig für den originalen Dresdner Christstollen zu rühren.

Sachsen in der Vorweihnachtszeit - das ist ein Fest für die Sinne, und der Besuch bei einem Dresdner Stollenbäcker ist einer der Höhepunkte. Wer es nicht in die Gläsernen Backstuben oder zu einer der angebotenen Stollenführungen schafft, kann auf dem 575. Dresdner Striezelmarkt, der als ältester Deutschlands gilt, in einer Schaubäckerei zusehen.

Auf den Stollen sind die Dresdner sehr stolz. Alljährlich am zweiten Adventssamstag widmen sie ihm sogar ein eigenes Fest, bei dem ein Riesenstollen in einer feierlichen Prozession durch die Innenstadt zum Striezelmarkt gefahren wird, wo ihn das Stollenmädchen anschneidet. Überragt wird der Markt übrigens von der mit 14 m höchsten hölzernen Weihnachtspyramide. Den Eingangsbereich markiert seit diesem Jahr zudem der weltgrößte erzgebirgische Schwibbogen.

Pyramide und Schwibbogen, Räuchermann und Nussknacker, Bergmann und Kerzen-Engel, zu DDR-Zeiten „Jahresendzeitfigur mit Flügeln" genannt, Kurrendesänger und musizierende Engel haben das Erzgebirge berühmt gemacht. In der ganzen Welt werden die kleinen Kunstwerke aus Holz verkauft. Die größte Auswahl findet man auf den sächsischen Weihnachtsmärkten. Neben Dresden sind die schönsten Märkte in Leipzig, Zwickau, Schwarzenberg, Annaberg-Buchholz, Freiberg und Seiffen. In vielen Orten, allen voran Seiffen und Olbernhau, kann der Besucher in Schauwerkstätten und Museen dabei sein, wenn aus einem Holzstück auf der Drechselbank langsam der Teil einer Figur entsteht.

Dass diese Traditionen lebendig sind, zeigt eine Fahrt durch die vorweihnachtlichen Orte. In den Fenstern zahlreicher Häuser verbreiten Schwibbögen mit aufgesetzten Lichtern behagliche Stimmung. In den Kirchen und Kirchtürmen hängen die von innen beleuchteten vielzackigen Sterne aus Herrnhut in der sächsischen Lausitz.

In Sachsen ist übrigens auch das Musikstück komponiert worden, das untrennbar mit Weihnachten verbunden ist: In der Leipziger Nikolai- und Thomaskirche führte Johann Sebastian Bach 1734 und 1735 zum ersten Mal seine als „Weihnachtsoratorium" berühmt gewordenen Kantaten auf. Hier und in den anderen großen sächsischen Kirchen erklingt das Werk auch heutzutage. Ein Blick in die örtlichen Veranstaltungskalender verrät, wann.

www.sachsen-tourismus.de
www.dresdner-stollen.com
www.stollenfest.de
www.erzgebirge.org
 

Christoph Münch
ist in Frankfurt am Main geboren. Der Journalist und Autor lebt seit 1994 in Dresden und arbeitet im Tourismus. Er hat die Polyglott Reiseführer Dresden und Sachsen recherchiert und neu bearbeitet.

 

 

 

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