30.06.2010 09:37Das neue Albertinum in Dresden
Seit 20. Juni 2010 empfängt das Albertinum an der Brühlschen Terrasse wieder Besucher: schöner denn je und mit hochkarätigen Gemälden und Skulpturen von der Romantik bis heute.
Beinahe hätte das Jahrhunderthochwasser der Elbe von 2002 auch die Dresdner Kunst schwer getroffen: Im letzten Moment konnten die wertvollen Gemälde und Skulpturen aus den unterirdischen Depots unter dem Theaterplatz und dem Albertinum gerettet werden. Im Nachhinein betrachtet erwies sich diese Katastrophe als Glücksfall für das Museum – denn die Verantwortlichen nutzten die Gelegenheit und entwickelten mit dem Architekturbüro Staab eine geniale Lösung, die neue Perspektiven eröffnet.
Die neuen Depots wurden über dem großen Innenhof des Albertinums errichtet. Sie schweben auf unsichtbaren Stelzen und formen so eine riesige Halle, die schon die Dresdner Musikfestspiele für ihr Programm 2011 als Konzertsaal entdeckt haben. Und weil man dafür den gesamten Vierflügelbau umbauen musste, entwickelten die Staatlichen Kunstsammlungen gleich noch eine Neukonzeption.
Die neuen Depots wurden über dem großen Innenhof des Albertinums errichtet. Sie schweben auf unsichtbaren Stelzen und formen so eine riesige Halle, die schon die Dresdner Musikfestspiele für ihr Programm 2011 als Konzertsaal entdeckt haben. Und weil man dafür den gesamten Vierflügelbau umbauen musste, entwickelten die Staatlichen Kunstsammlungen gleich noch eine Neukonzeption.

Das Ergebnis ist ein Museum, das an sich schon eine Reise wert ist. Der Haupteingang wurde von der Brühlschen Terrasse an den Georg-Treu-Platz verlegt, unweit der Frauenkirche. Hinter Glasscheiben empfangen den Besucher griechische Götter, und Nymphen. Eng gestellt warten sie darauf, dass sie in einigen Jahren in die Erdgeschoss-Hallen der Sempergalerie ziehen können. Das Dresdner Museumsroulette sieht vor, dass die dort noch beheimateten Teile der Rüstkammer ins Schloss ziehen und Platz für die Antiken machen, die schon Goethe bewunderte und Winckelmann zur Begründung der modernen Archäologie inspirierten. Weitere Schaudepots der Skulpturensammlung sind in die Durchgänge in der ersten Etage integriert.
Die große Skulpturenhalle im Erdgeschoss schlägt den Bogen von der Antike bis heute, mit einem Schwerpunkt auf Rodin, dessen originale Gipsentwürfe für seine berühmtesten Bronzen der Stolz der Sammlung sind, begleitet von Skulpturen von Meunier, Degas und ganz modernen Installationen.
Im ersten Obergeschoss zeigt der Mosaiksaal die Auseinandersetzung des 19. Jhs. mit der Antike – hier vor allem Ernst Rietschel, der maßgeblich das Dresdner Stadtbild bereicherte. Übrigens steht hier, wie in vielen anderen Räumen auch, ein moderner „Störenfried“, der die klassische Strenge kontrastiert. Im sinnlich-roten Klingersaal sind nicht nur prominente Skulpturen von Max Klinger ausgestellt. Auch Bilder und Figuren von Franz von Stuck, Sascha Schneider und anderen Größen des Fin-de-Siècle formen ein Gesamtkunstwerk.Die großen Ausstellungsflächen im 1. Obergeschoss beherbergen bis 29. Mai 2011 die Schau „Das versprochene Land“ – eine vielschichtige Sammlung, deren bedeutungsvolle Bezüge jeder Besucher für sich entdecken kann.
Das 2. Obergeschoss schließlich ist der Gemäldegalerie Neue Meister gewidmet. Das Neue beginnt in Dresden bereits um 1800. Caspar David Friedrich ist mit fast einem Dutzend Werke vertreten, umgeben von seinen Zeitgenossen, mit denen er in Dresden die romantische Malerei begründete. Weiter geht die Kunstreise vorbei an deutschen und französischen Impressionisten (Liebermann, Monet, Gauguin) mit dem vollständigen Ägypten-Zyklus von Max Slevogt. Die 1905 in Dresden gegründete „Brücke“ ist ebenso vertreten wie die eindrucksvollen Anti-Kriegs-Bilder von Otto Dix. Wo die Nazis das Museum einst geplündert hatten, versuchen Dauerleihgaben z.B. mit Bildern von Kokoschka die Lücken zu schließen. Zwei Räume bringen Kunst aus 40 Jahren BRD und DDR in Dialog.
Ganz neu sind die Räume für die großen aus Dresden stammenden oder zumindest mit Dresden verbundenen zeitgenössischen Künstler: A.R. Penck (der auch das art’otel in Dresden ausstattete) und Georg Baselitz, dessen Porträts förmlich Kopf stehen, sind eigene Säle gewidmet. Gerhard Richter sogar zwei: einer mit farbenfrohen Hinterglasbildern, die sich um eine farblose Glasinstallation reihen, der andere mit akribisch genauen Gemälden nach Fotovorlagen, die Richter berühmt gemacht haben, aber auch Werken früherer Schaffensperioden.
Das Albertinum ist tgl. 10–18 Uhr geöffnet. Eintrittspreis: 8 Euro (ermäßigt 6).
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Der Autor: Christoph Münch... ist in Frankfurt am Main geboren. Der Journalist und Autor lebt seit 1994 in Dresden und arbeitet im Tourismus. Er hat die Polyglott Reiseführer Dresden und Sachsen recherchiert und neu bearbeitet.
